Montag, Dezember 10, 2018

Sind wir kinderfreundlich?

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Wer kennt nicht diese Situation: Ein schönes Essen zu zweit im Restaurant .. Kerzenschein .. leckeres Essen .. ein gutes Glas Wein und dann:

Nervtötende Kinder ...

die eben mal durch das Restaurant rennen, rumschreien, mit Essen werfen, Esskultur gar nicht kennen, Spielsachen mitten im Raum verteilen und die netten Eltern dazu, die nix sagen und seelig grinsen. Ahhhh! Wie nennt man das so schön: "antiautoritäre Erziehung"? Gehört den Kindern das Restaurant?

Genau das habe ich vor kurzem erlebt - und dieses so ganz real, es war kein Schauspiel: Ein schönes Restaurant, mittlere bis gehobene Preisklasse, leckeres 3 Gänge-Menu. Kurz vor dem ersten Gang setzten sich 3 Tische weiter ein Pärchen mit einer ca. 4 jahre alten Tochter. Nachdem die Tochter lautstark über den Stuhl gemeckert hatte, ging es an die Speisenauswahl. Ich aß meinen ersten Gang, als wiederum sehr lautstark (wie gesagt, ich saß 3 Tische weg) über jedes einzelne Gericht diskutiert wurde. Die Kellnerin versuchte jedes Essen für das Kind schmackhaft zu machen - keine Chance, letztlich wurden es dann einfache Pommes Frites. Nun gut - dafür geht man also ein ein besseres Lokal. Das Essen kam, das Kind fing an - eine Gabel war ein Fremdwort, gleich mit den Fingern los. Nach 3 Minuten ein Schrei durch das gesamte Restaurant: "Krieg ich noch Ketchup?"

Alle Gäste sahen irretiert zu der Familie, Mutter grinste, Vater war es peinlich (immerhin). Ahhhhh! Das Gemansche ging weiter, später malte das Kind (endlich etwas leiser) am Tisch. Mein Hauptgang ging vorbei, genau wie dem Kind wurde mir als Dessert ein Mousse au Chocolat gebracht. Ich genoß, das Kind schrie "Das ist kein richtiger Pudding!" - na klasse. Nachdem es weiterhin die Finger zum Essen nahm (Löffel war wohl auch fremd), kam der nächste lautstarke Kommentar "Ich muss kacken" - danke, damit war mein Appetit völlig dahin. Das Kind stürmte ohne Mama los, flog natürlich mitten im Gang hin, nicht ohne die Schokofinger noch an einer Anzughose eines anderen Gastes abzuwischen. Dieser beschwerte sich - zu Recht meiner Meinung nach - änderte aber nichts. Ich war mir nicht sicher, ob mir die Kellnerin leid tat, als wir gingen versuchte sie die Ketchupflecke aus dem gepolsterten Stuhl zu schrubben, die Tischdecke und selbst der Tisch waren mit Filzstiftzeichnungen wunderbar verunstaltet. Willkommen bei einem schönen, gepflegten Essen!

Ich für meinen Teil könnte dann einen Anfall bekommen - gut, in dem obigen Falle bekam ihn mein Begleiter. Er kam mit den Kommentar wieder: "Die Mutter sagt, es sind eben Kinder..."  Ahhhhh!
Ich habe dafür absolut kein Verständnis, ich gehe nicht jeden Tag dinieren und wenn man sich dann schon mal einen Restaurantbesuch gönnt, dann möchte man den auch genießen. Man arbeitet hart für das Geld - und dann wird der Spaß einen auf höchst vorsätzliche Art verdorben.

Genau dieses hat ein Café im australischen Broadmeadow auch bemerkt und folgendes Statement veröffentlicht:

Okay, ein bisschen Haushaltsführung. 'Sind wir kinderfreundlich?' Wenn Sie ein Café mit Kindermenü, Spielecke, Hüpfflächen, reichlich Platz für Kinderwagen, zum Herumtoben und Stören anderer Gäste [...] suchen, dann lautet die kurze Antwort NEIN, wir sind nicht kinderfreundlich. Wenn Sie aber Ihre Kinder mitbringen möchten, die gern mit Ihnen am Tisch sitzen und sich benehmen, während Sie Ihren Kaffee genießen, hereinspaziert! Wenn nicht, gibt es ausreichend Orte, die speziell dafür gemacht worden sind, Kinder zu unterhalten. Danke, TLFC.

Wow! Das nenne ich mal eine Ansage! Eigentlich voll aus dem Herzen gesprochen und in Deutschland undenkbar, schade eigentlich. Aber wie lief das in Down Under? Tja - die Reaktionen waren höchst unterschiedlich: wütendene Eltern beharrten auf ihrem Recht, ihre Kinder überall mit hinnehmen zu dürfen, sie sollen doch "echtes", d.h. wohl gesundes Essen zu sich nehmen und nicht nur auf Fastfood-Restaurants beschränkt werden; viele Erwachsene waren aber auch schlichtweg begeistert.

Die Reaktionen waren teils so heftig, dass das Statement, welches das Café auf Facebook veröffentlicht hatte, schnell wieder gelöscht wurde - das Resultat allerdings war eindeutig: die Leckereien waren ausverkauft, die Kunden haben die Inhaber sogar mit Blumen verwöhnt!

Sind wir jetzt kinderfeindlich? Nein! Der Stern, der darüber berichtete, hat nämlich auch gleich eine Umfrage geschaltet. Das Ergebnis war eindeutig: Nicht die quäkenden Kinder sind es, die die anderen Restaurantbesucher nerven - es sind die Eltern, die nicht eingreifen. Und genau das hat ja auch das australische Café so gepostet.

Und hier kann man sogar einen Schritt weitergehen: Warum werden diese Eltern mit samt den Kindern dann nicht aus dem Restaurant geworfen, wenn wiederholt andere Gäste durch das Herumtoben und Stören belästigt werden? Betrunkene, pöbelnde Erwachsene werden doch auch aus dem Restaurant verbannt?

Ich denke, hier fehlt wirklich der Mut - zu schnell wird man als "kinderfeindlich" abgestempelt, völlig zu Unrecht. Ich ziehe meinen Hut (und ja, ich hab wirklich einen, naja mehrere) vor den Besitzern dieses Lokals in Australien. Liebe sächsische Restaurants, zieht nach, die Gäste werden es Euch danken!

Und alle anderen Leser, denkt mal drüber nach, es gibt in sovielen Bereichen die Möglichkeit, mal mutiger zu sein. Beispiel gefällig?
Ich würd mich freuen im Schwimmbad mal einen Abend meine Bahnen ziehen zu können, ohne aufzupassen, dass irgendwelche Kinder vom Sockel oder vom Beckenrand auf einen draufspringen - nur weil die Eltern faul im Whirlpool liegen und nicht drauf achten. Es gibt Senioren- oder Babyschwimmen - ich möchte gerne einen kinderfreien Abend zum relaxen im Schwimmbad. Bitte, bitte!

 

Bildquelle: Gabi Reinkober  / pixelio.de bzw. Rainer Sturm  / pixelio.de
Bezugnahme auf: http://www.stern.de/familie/kinder/cafe-besitzerin-in-australien-hier-wird-nicht-herumgetobt-2147106.html
auch interessant dazu: http://www.stern.de/genuss/essen/us-restaurantbesitzer-erlebt-shitstorm-aufregung-um-ketchup-verbot-2136674.html

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