Montag, Dezember 10, 2018

Zurück in die Vergangenheit

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Dem Autohaus meines Vertrauens habe ich zu verdanken, dass  ich eine Reise machen durfte:

Zurück in die Vergangenheit

Es fing eigentlich alles ganz harmlos an, mein Auto war in der Durchsicht. Ein kleiner Defekt an der Klimaanlage - kein Thema, allerdings mussten die Teile nachbestellt werden. Eine Woche später kam der Anruf: Ersatzteil war da, alles auf Garantie - dauert aber 2 Tage, da quasi mein Gefährt auseinandergenommen und wieder zusammengebastelt werden muss. Ich sollte daher einen Leihwagen bekommen, kein Grund für Sorgen. Ein paar Tage später, im Autohaus - mein Auto abgegeben, Leihwagenvertrag unterschrieben .. doch der Leihwagen war weg !? Nach ein paar Minuten stellte sich heraus, dass genau dieser - mein Leihwagen - am Morgen des Tages verkauft worde. Nun gut, wird es halt ein anderer ... völlig großkotzig stand ich da und tönte: "Egal was für Einer - Hauptsache 4 Räder und ein Lenkrad.."

Der Chef grinste und kam mit einem Schlüssel um die Ecke. Und dann sah ich ihn - ähm, ich fahre nun wirklich kein großes Auto, aber ich fragte mich - und den Chef des Autohauses - ob dass das gesamte Auto ist oder nur ein Teil davon? Pfff .. was sollte das sein? Eine babyblaues Hustenbonbon? Passe ich da überhaupt rein? So von Kopf bis Fuß? Muss ich da treten, a lá Fred Feuerstein?

Kurz entschlossen - ich konnte ja eh nicht mehr zurück, Taschen reingepackt - Zündschlüssel (ja, hier gab es noch einen) gedreht - das Ding sprang an. Gang rein und vorsichtig losfahren - rein theoretisch. Praktisch hat sich wahrscheinlich jeder im Autohaus vor Schmerzen gewunden, als ich den armen Motor traktierte. Trotzdem habe ich es bis auf die Straße geschafft und auch die knapp 1,5 km bis zu meinen Eltern. Mein Vater sah ungläubig aus dem Fenster: "Saxo, was hast Du angestellt? Normal geben sie doch so eine Hutschachtel nicht raus?"

Langsam sah ich mir die Einkaufskorb genauer an. Vom Fahrersitz konnte ich bequem sitzend die Front- und Heckscheibe mit den Händen erreichen - und das bei einem 4-Türer. Das ist doch schon mal was... ich bin schwer begeistert. Ich konnte sogar meinen Mp3-Player anschließen, rein theoretisch auch das Handy - wohl gemerkt, es gab eine Bluetooth-Schnittstelle. Noch ein bißchen Rumspielen, war ja schon niedlich, dann ging es an den Heimweg (ca 60 km Autobahn). Ein Hörbuch rein - und sogleich kam die Verwunderung: wie kann es sein, dass dieser Asphaltpickel ein viiiieeeelll viiiieeeelll besseres Licht hatte, als mein geliebtes Wägelchen? Mhmm, da wird wohl mal ein Gespräch mit dem Autohaus fällig. Ich schlich mich langsam nach Hause, immerhin hat kein LKW es geschafft, mich zu überholen.

Die Hoffnung, ohne die Häme meiner Nachbarn davonzukommen, zerschlug sich gleich am nächsten Morgen. Drei wunderbare Exemplare männlichen Geschlechts standen schon um den Jugendrollator herum und überlegten lautstark, ob sie die Fingerring-Geschenkpackung einfach wegtragen können. Als sie mich erblickten ging das Feuerwerk richtig los: "Niedlich - selbst gestrickt?", "Geht`s Deiner Firma nicht gut?", "Warum hast Du das Ding nicht am Schlüssel festgemacht und mit in die Wohnung genommen? - Du kannst doch den KIeinen nicht so alleine stehen lassen?",  "Willst Du Hinweise geben, dass Du schwanger bist - babyblau, wird es ein Junge? - Dann kauft man sich doch ein größeres Auto?", "Wollt Ihr einen Hamster anschaffen?-Der Hamsterkäfig ist ja schon da! ..... "  usw. usw.  Wozu braucht man eigentlich noch Feinde???
Zur absoluten Krönung kam noch mein Lieblingsnachbar, öffnet seinen Porsche, schwingt sich lässig rein, fährt los um direkt vor mir zu halten, die Scheibe runterzulassen, zu zwinkern und dann: "Tröste dich, Saxo, innen ist meiner auch nicht größer..." Ahhhh! Vielen Dank!

Aber egal - die Sonne strahlte, Mp3-Player wieder ran, eine schöne UpTempo-Nummer rein, ab zur Autobahn. Bei Tageslicht konnte man jetzt die Feinheiten richtig sehen und so langsam gewöhnte ich mich an die Brotdose. Hintern Hermsdorfer Kreuz - die Laune war auf dem Höhepunkt, Sia`s Alive war voll aufgedreht hab ich es sogar geschafft, ein paar Audi`s abzuhängen. Kurz vor der Abfahrt in Bautzen stellte ich sogar fest, dass ich in einer Konservenbüchse saß, das Teil hatte ein schönes Faltdach. Also ließ ich gleich mal die Sonne rein, durch die angeschaltete Klimaanlage blieb es ja warm ;-)

Mein sonst so kleiner Parkplatz war riesig - das Rangieren konnte ich mir an diesem Tag sparen. Oben im Büro grinste man schon, als Strafe durfte gleich eine Angstellte runter, das Faltdach wieder schließen. Das Telefon klingelte: "Prinzess`chen, Prinzess`chen - was hast Du dem armen Verkäufer angetan, dass er sich so bitter rächt?" Ich habe wirklich keine Ahnung, was ich mir an diesem Tag alles anhören durfte - wahrscheinlich bräuchte ich noch paar Seiten.

Aber der Tag ging auch rum und damit folge die letzte Etappe bis zum Autohaus und damit der Abschied von der Keksdose.
Auf den letzten Kilometern hatte ich beste Laune - und mir schoß auch ein warum. Es war einfach wie in der alten Studentenzeit, ein klitzekleines Auto, was richtig gut abging. Ich war auf einmal wieder Anfang 20 - das Auto machte wirklich Spaß. Ich hätte mir den ganzen Technikspielkram damals gewünscht, das Fahrgefühl war aber einfach das Gleiche. Es hat sich rausgestellt, dass dieses ein richtiges Gute-Laune-Fahrzeug ist und daher tat es mir schon fast leid, ihn wieder abgeben zu müssen. Der Eigene ist der Beste - klar - aber auf der Heimfahrt war ein bißchen Wehmut und das Gefühl der frischen Studizeit verblasste schnell.

Hat Spaß gemacht mit dem Kleinen, hoffentlich benötige ich bald mal wieder einen Ersatzwagen :-)


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Bildquelle: F.H.Me.  / pixelio.de
Autohaus: Natürlich darf ich das Auto mit samt Werbung hier abbilden  http://ah-amkirchberg.de/

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